Die FDP ist schlechter Verlierer und meint, es wäre unsozial, wenn nun wieder jeder Metzger und jede Friseurin mit ihren Steuern das Studium anderer Leute finanzieren sollen.
Ich denke, es wäre ungerecht, wenn sich in ein paar Jahren die Töchter und Söhne von Metzgern und Handwerkern, dank Studiengebühren, kein Studium mehr leisten können - Stichwort soziale Schere und so.
Zunächst: was ist eigentlich Arbeit? Es gibt zweierlei Arten: einmal, Verlagern der Materie auf oder nahe der Erdoberfläche in bezug auf andere derartige Materien, zweitens, andere Leute anzuweisen, es zu tun. Arbeit der ersten Art ist unangenehm und schlecht bezahlt, der zweiten angenehm und hochbezahlt. Außerdem lässt sich die zweite Art unbegrenzt erweitern: es gibt nicht nur Leute, die befehlen, sondern auch welche, die Ratschläge geben, was zu befehlen sei. Gewöhnlich werden zwei gegensätzliche Arten von Ratschlägen von zwei organisierten Gruppen von Menschen gleichzeitig erteilt; das nennt man Politik. Die Befähigung für diese Art von Arbeit braucht nicht auf Kenntnis der Personen, denen der Rat erteilt wird, zu beruhen, vielmehr nur auf der Beherrschung der Kunst, durch Wort und Schrift zu überzeugen, das heißt, auf Beherrschung der Werbung und Propaganda.
aus Bertrand Russells “Lob des Müßiggangs”, 1957 (!), Russell war Philosoph und Mathematiker, lehrte in Cambridge, und erhielt 1950 den Literaturnobelpreis.
Das wollte ich an dieser Stelle einfach mal hervorheben, da es zeigt, dass wir auf dem Arbeitsmarkt nicht vor neuen Problemen stehen. Stattdessen scheint das nur ein weiterer Fall von history repeating zu sein, nur das unser Wirtschaftsminister Michael Glos die Lektion wohl nicht gelernt hat. Denn ähnliche Ideen hatten vor ihm auch schon Andere - Reichskanzler Heinrich Brüning im Jahre 1931 bspw.
Der Spiegelfechter schreibt dazu:
Brünings Politik versagte, und er machte Deutschland nicht zuletzt durch seine Arbeits- und Sozialpolitik reif für die Wahlerfolge der Nazis. Glos denkt natürlich, seine Partei könne damit Wählerstimmen bekommen, aber das dachte Zentrumspolitiker Brüning auch.
In der Hoffnung, dass sich der weitere Teil der Geschichte nicht auch wiederholt, sollte das bei der persönlichen Wahlentscheidung nächstes Jahr unbedingt berücksichtigt werden.
Nachdem schon einige illustre Vertreter der Musikindustrie unsere Kanzlerin auf die wirklich wichtigen Probleme in Deutschland aufmerksam gemacht haben (hier nachzulesen), ist nun DAS INTERNET an der Reihe:
Der Brief enthält eine ordentliche Portion Sarkasmus incl. einem Spritzer Zynismus, aber trotzdem, oder wahrscheinlich gerade deswegen, kann ich mich dem Inhalt dieses Schriftstücks zu größten Teilen anschließen. Sollten wir in unserem Land keine schwerwiegenderen Probleme haben, als dass der Musikindustrie der ein oder andere Euro durch “böse Internetpiraten” abhanden kommt, dann ist doch alles in Ordnung. Luxusprobleme - Meckern auf höchstem Niveau sozusagen.
Wenn ich dann allerdings einen Bernd Neumann sehen muss, der allen Ernstes vorschlägt, Personen den Internetzugang zu sperren, die sie sich des unerlaubten “Herunterladens von Computern” schuldig gemacht haben, dann wird mir erstmal ein bisschen schlecht. Danach denke ich mir, entweder ist der Mensch gut geschmiert, oder er hat wirklich einfach nicht den blassesten Schimmer über was er da gerade redet.
Die von ihm vorgeschlagene Regelung wäre vergleichbar damit, einem kleinen Kaufhaus-Dieb, nach Beweis seiner Schuld, den Zutritt zu sämtlichen Kaufhäusern, Supermärkten und Kiosken zu verwehren, weltweit. Auf diese Idee würde doch niemand kommen, oder?!
Die guten alten Bayern mal wieder - haben das Rauchverbot für ein Jahr ausgesetzt. Allerdings nur in Bierzelten. War ja klar, dass die sich ihr Oktoberfest nicht durch solche Nebensächlichkeiten versauen lassen.
Meiner Meinung nach absolute Willkür - ist Rauchen im Zelt etwa gesünder wie in der Kneipe nebenan? Oder hat der Beckstein am Ende festgestellt, dass bei dieser ganzen Aufregung ums Rauchverbot die Gemütlichkeit auf der Strecke bleibt? Am Ende nimmt der weltweite Ruf des Oktoberfests noch Schaden deswegen - da muss was getan werden.
Also das Gesetz erstmal für ein Jahr aussetzen, nur in Festzelten natürlich. Wohl in der stummen Hoffnung, dass bis 2009 das komplette Rauchverbot gekippt wird. Dass bis dahin eine Menge kleiner Gastwirte durch die Folgen, der mit dem Gesetz verbundenen Entmündigung, in den Ruin getrieben wurden, ist wohl erstmal zweitrangig.
Wenn schon eine Aussetzung des Verbots, dann doch bitteschön komplett und nicht willkürlich an die Vorlieben von erzkonservativen Politikern angepasst. Ist doch hier kein Wunschkonzert!
Der Auftritt von Volker Pispers gestern Abend in Bad Hersfeld war nicht, wie angenommen, erstklassig. Nein, der war sogar “besser als erwartet”. Politisches Kabarett in Höchstform mit einer ordentlichen Portion Gesellschafts-Kritik; Herr Pispers legt den Finger tief in Deutschlands Wunden. Und dabei macht er unsere Missstände so leicht begreifbar, dass es fast schon beängstigend ist. Habe selten soviel gelacht und wurde dabei gleichzeitig so oft zum Nachdenken gebracht wie gestern Abend. Meine Empfehlung: Sollte Volker Pispers in der Nähe sein - unbedingt einen seiner Auftritte besuchen.
Hier noch ein kleiner Vorgeschmack in Form eines Videos, über ein Thema das gerade nach dem Debakel der West-LB wieder aktueller ist denn je: